Infos zu Diabetes bei Zwergen

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Infos zu Diabetes bei Zwergen

Beitragvon Kiki » 03.04.2010, 01:34

Diabetes
Text mit freundlicher Genehmigung von und in Zusammenarbeit mit Gosia

Chinesische Streifenhamster, Campbell Zwerghamster, Hybriden (die ja Campbellgene in sich tragen) sowie Dsungaren der Farbe Mandarin und den davon abgeleiteten Farben wie Camel und Mandarin-Pearl, haben bekanntermaßen ein hohes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Da in letzter Zeit die Krankheit immer häufiger zu beobachten ist und die Artenvermischung rasant zunimmt, ist es für nahezu jeden Zwerghamsterhalter ratsam, sich einmal mit dem Thema Diabetes und der Ernährung bei diabeteskranken oder -gefährdeten Hamstern zu befassen.

Im Folgenden möchten wir einige Informationen zur Erkrankung selbst, ihren Therapiemöglichkeiten und der empfohlenen Ernährungsumstellung geben.

Allgemeines
  • Nicht alles, was man über die Diabetes beim Menschen weiß, kann man auf die Tiere übertragen. Es wird aber vermutet, dass auch Zwerghamster sowohl an Typ I (Insulinmangel, tritt meist schon in sehr jungem Alter auf) oder Typ II (Insulinresistenz, tritt meist erst mit höherem Alter auf) erkranken können. Symptome und Behandlungsmöglichkeiten können sich aber von denen beim Menschen unterscheiden. Kurz zusammengefasst bedeutet Diabetes jedoch auch beim Zwerghamster, dass der Körper Zucker nicht richtig verstoffwechseln kann.
  • Die Disposition (= Veranlagung) für Diabetes beim Zwerghamster kann vererbt werden, Nachkommen erkrankter Vorfahren müssen aber nicht zwangsläufig selbst erkranken.
  • Weibchen erkranken häufiger als Männchen und sterben in der Regel früher daran.
  • Diabetes tritt insbesondere zwischen dem 3. und 4. Lebensmonat sowie dem 10. und 12. auf.
  • Die Krankheit kann die Lebenserwartung teils drastisch verkürzen. Diabetes ist nicht heilbar, aber therapierbar, d.h. es ist möglich, die Lebensqualität des Tieres zu verbessern und gegebenenfalls die Lebensdauer wieder zu steigern. Wichtig ist, die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen, um noch rechtzeitig einschreiten zu können.

Symptome
  • Übermäßiges Trinken
  • Süßlich riechender, klebriger und vermehrter Urin
  • Hyperaktivität, ständiges Wachsein oder gegenteilig: nachlassende Aktivität
  • Plötzliche Gewichtsabnahme, selten -zunahme
  • evtl. Juckreiz

Die übermäßige Glucose im Urin kann zudem das Wachstum von Bakterien begünstigen, d.h. in der Folge können Blasenentzündungen entstehen.

Nachweis der Erkrankung

Hat man den Verdacht auf Diabetes, kann man die Erkrankung (Zucker im Urin) mittels Glucosetestreifen nachweisen. Die Streifen (z.B. Combur²) bekommt man in der Apotheke. Man lässt den Hamster in eine leere Transportbox pinkeln und zieht daraufhin einen Streifen durch die Pfütze. Das Ablesen erfolgt nach Anweisung des Beipackzettels. Der Test sollte mehrfach wiederholt werden, Stress führt zu Hormonausschüttung und kann das Ergebnis verfälschen.

Therapiemöglichkeiten und Ernährungstipps
Medikamentöse Therapien sind bislang relativ ungesichert.

  • Insulingabe erzielt zwar Erfolge, ist jedoch zu risikoreich, da die benötigte Menge nicht präzise genug bestimmt werden kann (im schlimmsten Fall stirbt der Hamster an einer zu hohen Dosis). Deshalb ist in jedem Fall davon abzuraten.
  • Glipizid (deutscher Handelsname "Minidiab") ist ein in Europa noch wenig bekanntes Medikament, das die ?-Zellen der Bauchspeicheldrüse anregen soll, Insulin zu produzieren. Es ist wohl die vielversprechendste Therapie, sie schlägt aber nur dann gut an, wenn die Diabetes erst in höherem Alter ausbricht (Typ II Diabetes) und schnell mit der Behandlung begonnen wird. Das Medikament muss vom Tierarzt verschrieben werden.
  • Pancreasome oral ist ein homöopathisches Mittel zur Unterstützung der Nieren, es ist allerdings nur in den USA verfügbar.
  • SYZYGIUM JAMBOLANUM D2 Globuli können unterstützend gegeben werden.
Das Wichtigste, um dem Hamster das Leben zu erleichtern, ist eine Ernährungsumstellung. Die Devise heißt zuckerreduziert und naturnah.

Hier einige Tipps:
  • Kein Futter oder Leckerlis/Knabberstangen mit Zucker, Melasse und Honig (gilt grundsätzlich übrigens auch für gesunde Tiere).
  • Ein naturnahes Hauptfutter mit vielen Wildsaaten wählen. Das "Zoodi Phodopia Zwerghamsterfutter" von Rodipet ist mit ein paar kleinen Abänderungen optimal geeignet.
  • Dieser Punkt ist momentan noch umstritten, dennoch wird gerne folgendes empfohlen: Kein Obst und kein rotes/gelbes Gemüse (da zu zuckerhaltig), sondern nur “grünes/weißes” Gemüse (z.B. Brokkoli, Gurke, grüne Paprika, Zucchini, Bochshornkleesamen (diese bitte nur wirklich an Diabetes erkrankten Tieren geben, sonst können sie schaden), Salat und Sprossen (insbesondere Soja)).
  • Schlechte Kohlenhydrate (d.h. ebenfalls zu zuckerhaltig) enthalten z.B. Erbsenflocken, Mais, Johannisbrot, Rote Beete, Pastinaken, Möhrenflocken (alles aus dem Hauptfutter aussortieren!).
  • Sehr gut geeignet ist vor allem (tierisches) Eiweiß.
  • Fettreiches (z.B. Nüsse, Sonnenblumenkerne) darf bei mageren Tieren (jedoch keinesfalls bei Fettleibigen!) ruhig öfter gegeben werden, denn anders als beim diabeteskranken Menschen schützt bei Hamstern ein höherer Fettanteil den Organismus vor schlechten Zeiten und kann sogar das Leben verlängern (erfahrungsgemäß versterben magere Diabetes-Hamster früher).

Die Ernährungsumstellung kann als die eigentliche Therapie angesehen werden, deshalb ist es wichtig, sie konsequent und ein Leben lang durchzuführen. Bei gutem Erfolg wird dann der Glucosetest schwächer ausfallen, kann aber immer wieder mal schwanken.

Weitere ergänzende Maßnamen:
  • Dem Tier immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung stellen
  • Regelmäßiges Wiegen
  • Tägliches Säubern der Pipiecke(n) (gegebenenfalls Streuwechsel an den feuchten/verschmutzten Stellen)

Wie bereits oben angedeutet, ist bei Campbells, Hybriden und Tieren mit einer vorbelasteten Farbe (siehe oben) von vornherein eine Diabetes-vorbeugende Ernährung anzuraten, auch wenn die Tiere noch gar nicht erkrankt sind. So kann bestenfalls verhindert werden, dass die Krankheit ausbricht. Da vermutlich in der Ahnenkette der meisten heutigen Dsungaren auch irgendwann mal ein Campbell oder zumindest Hybride mitgemischt hat, kann es auch hier nicht schaden, von Anfang an auf Zucker und Obst zu verzichten.

Internettipp: einen schönen und neutral gehaltenen Überblick über das Thema Diabetes bei Zwergen findet ihr hier: http://diabeteshamster.blogspot.com/
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